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Samstag, 26. März 2011
Dienstag, 8. März 2011
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Ich brauche einen neuen Computer, denn Schneewittchen (mein Alter) liegt kalt und blass unter der Erde. Ein tragischer Unfall raubte ihm das Leben und nach 3 Monaten der Trauer ist es an der Zeit nach vorm zu schauen. Einen ebenbürtiger Nachfolger muss her.
Also lese ich mehrere einschlägige Internetblogs in denen Klugscheißer damit prahlen, welche Zahlen sie im Zusammenhang mit bestimmten Computern kennen. Ich verstehe kein Wort, weiß nicht, was die Zahlen bedeuten und bin ehrlich gesagt auch nicht sonderlich daran interessiert.
Eigentlich will ich wieder einen Mac. Aber ich habe auch Prinzipien. Denke ich.
Ich bin so sehr genervt von allen Mac-Affen dieser Welt- und ich habe das Gefühle sie wohnen alle, ausnahmslos ALLE in Calgary. Sie besetzten die Universität, die Biblitothek, sie sprechen schlechtes English und installieren Microsoft auf ihren Mac. Will man in einen Apple Store, darf man in der Schlange warten. Ist man endlich drinnen, wird man wie ein Idiot behandelt, da man sich anstelle für das neue Ipad nur für ein Ladegerät interessiert und außerdem einen Ipod aus dem Jahr 2007 hat.
Ich hasse sie alle. Aus tiefstem Herzen. Die Verkäufer. Die Iphone- Prahler, die immer noch ein Zweithandy zum Telefonieren besitzten, da sonst der Vertrag so teuer ist. Die tussigen Mac- Mädchen, die bei Starbucks sitzen und ihre dämliche Hausarbeit über kanadische Geschichte in Word mit dem 2-Finger-Schreibsystem tippen. DIe MacBookPro-Armee, uniform und blind, trifft sich an der University of Calgary um sich ohne Sinn und Verstand täglich gegenseitig zu High-Fiven.
Ich habe die Schnauze voll. Denke ich.
Ich breche aus. Und kaufe ich einen Microsoft Laptop. Er ist schlicht und silber und liegt angenehm in der Hand. Ich bin zufrieden. Halbwegs. Ein bisschen wehmütig bin ich allerdings trotzdem und daher bekommt er schließlich einen Apfel-Name. Es war ja nun auch nicht alles schlecht damals. Wir hatten eine gute Zeit und dann kamen die Massen. Aber für die Tussen und den Hype konnte ja nun auch Schneewitchen nichts. Granny Smith soll der Neue heißen. Das ist mein Lieblingsapfel.
Gute Idee. Denke ich.
Leider wird sein Spitzname Granny, und wie es sein Name vermuten lässt bekommt der Gute nach knapp zwei Woche Arthritis und Demenz. Was mit Großeltern in der Regel nicht funktioniert, klappt mit Granny ausgezeichnet und auch ohne ethische Komplikationen. Ich tausche ihn um. Gegen einen gesunden, neuen Granny. Denke ich.
Dennoch bin ich genervt. Zwei Wochen, unendliche Stunden des Datentransfers und eine externe Festplatte später stehe ich wieder vor einem lehren Laptop der hungrig auf Erinnerungen wartet. Ich starte erneut. Kann ja mal passieren. Man will ja Microsoft eine Chance geben denke ich. Die haben bestimmt was gelernt in den letzten 10 Jahren, denke ich. Jetzt wird alles gut, denke ich.
Zwei Tage später stehe ich allerdings mit halben Nervenzusammenbruch, dem neuen, dennoch wieder alten und krankem Granny in dem Computerladen und will mein Geld zurück. Die spinnen doch. Mit dem blöden Microsoft Ding hatte ich in 2 Wochen mehr Stress und Ärger als mit meinem geliebten Macbook in 4 Jahren.
Also brauche ich wieder einen neuen Computer. Aber eins ist klar. Es wird ein Mac.
Augen zu und durch. Ich betrete den Apple Store und bekomme immer noch fast das Kotzen. Das künstliche Lächeln des Apple-Fanboys mit Bauchansatz und Glatze treibt mich in den Wahnsinn. Er benimmt sich als wäre er aufgeregte 18 während er mir das Macbook erklärt, dabei geht er auf die 40 zu. Ich will es doch einfach nur kaufen. Nein, ihr braucht ihn mir nicht einrichten. Nein, ich möchte kein Office Paket. Und nein ich möchte auch keine Foto von mir, wie ich den Karton entgegennehme, ihr Spinnner.
Zwar stehe ich evolutionstechnisch wieder auf der gleichen Stufe wie die Starbucks-Tussen und marschiere gemeinsam mit ihnen fröhlich grinsend in der Armee der Mac User mit.
Allerdings benutzte ich Pages und habe einen Laptop der funktioniert.
Er heisst Golden Delicious.
Sonntag, 13. Februar 2011
Eine Nation verschenkt Herzen
Heute ist Valentinstag.
Der kulturelle Facettenreichtum Kanadas hat mich schon mehrmals in tiefes Staunen versetzt. Diesmal dreht sich alles um „The big V-Day“- nach „B-Day“ und „X-Mas“wohl eine der schlimmsten Verstümmlungen der englischen Sprache.
Die Rede ist vom Valentinstag- dem Tag der glücklich Verliebten, lange Verheirateten und Einhänzelhändler.
Ganz Kanada ist in purer Ekstase. In meinem Wohnheim kleben an allen Ecken rosa Einladungen zu allem Möglichen. Ich möchte da nicht hin. Ich bin mal wieder genervt.
Das mit Valentinstag habe ich ja noch nie verstanden. Bis vor wenigen Jahren glaubte ich, es hieße Valendienstag und war zutiefst verwundert, als es ihn auch an einem Mittwoch gab. Das gleiche Problem hatte ich übringens mit dem Strebergarten. Nun, einige Jahre später, da der Valentinstag mich ebenso wenig fasziniert wie ein Schrebergarten, distanziere ich mich einmal mehr von meinem Umfeld und leider von meiner geliebten Oma und ihren leckeren Himbeeren.
Da ich morgen weder zum romantischen Dinner, noch zur Kutschfahrt mit dem weißen Pferd, zur Partnermassage, in die Liebesmuschel oder zum bescheuerten Partner-Bungee-Sprung eingeladen werde, lade ich meine Freundinen ein. Zum Pokerabend. Mit Schnittchen und Schnaps. Alle sind willkommen, die Valentinstag genauso blöd finden wie wir.
Und zwar aus Überzeugung und nicht aus Notwendigkeit.
In dem Zusammenhang fällt mir auf: Warum gibt es denn für alles einen Tag?
Nagut, Ostern und Weihnachten finde ich gut, denn da hat man immer frei, es gibt leckeres Essen und ich kann meine Wohnung spießig dekorieren. Außerdem gibt es Blätterkrokant und ein gutes Fernsehprogramm.
Nikolaus macht am meisten Spaß. Auch heute noch stelle ich meine geputzten Schuhe vor die Tür und gehe aufgeregt schlafen.
Muttertag-früher gern der einzige Tag im Jahr an dem ich vor meiner Mutter aufstand und den Frühstückstisch gedeckt habe, heute ein wilkommener Anlass mit Mama beim Brunch auf ein Glas Sekt anzustoßen. Der Tag enttäuscht nur ein bisschen, wenn er auf meinen Geburstag fällt- ich teile nicht gern die Aufmerksamkeit.
Vatertag ist eh nur was für betrunkene Männer mittleren Alters, die mit Blumen am Fahrrad und dümmlichem Hut nachmittags um drei die Landstrasse entlangfahren und singen. Der Tag wird auch bevorzugt begangen von Jungs Anfang/Mitte Zwanzig mit nicht weniger dümmlichen Hüten und auch nicht weniger Promille. Dafür mit bekloppten Spielen, bei denen man am schnellsten einen Bierkasten um einen See tragen muss.
Frauentag ist da mehr was für mich. Allerdings musste ich in der 13. Klasse einmal eine Tanzchoreografie vorführen, habe mich fürcherlich blamiert und hasse den Tag seitdem.
Kindertag war früher ein Knaller wird aber mitleriweile von meiner Mutter ignoriert.
Welt Aids Tag- damit konnte man in der Schule pseudopolitisch sein Engagement am Mantel tragen- für nur eine Spende von 10 Cent, die vermutlich nie ein Aidskranker je zu Gesicht bekommen hat.
Mein persönlicher Liebling ist aber der „Suit-up“ Tag, der am 13.10. stilbewussten Männern die Möglichkeit gibt, auch im Supermarkt wie aus dem Ei gepellt auszusehen.
Habe ich einen vergessen?
Kanada geht allerdings noch einen Schritt weiter. Dort gibt es im Oktober den „Anti- Brustkrebs“Monat und im November kann man sich einen Schnurrbart wachsen lassen, um auszudrücken, dass man Prostatakrebs scheisse findet. Gerne auch für Frauen mit Hormonproblemem.
Passend dazu gibt es Fäustlinge zu kaufen- in rosa und blau für 9,99$.
Passend dazu gibt es Fäustlinge zu kaufen- in rosa und blau für 9,99$.
Ich meine, mal ganz ehrlich, wer findet denn Krebs gut?
Der ganze Tages- und Monats- Spezialisierungszirkus dient wohl auch nur dazu das Leben langweilige Geistern mit mäßig guter Unterhaltung und überteuerten Geschenken bunter zu gestalten???
Vielleicht ist das zu zynisch. Denn wenn ich nachher keine Karte im Briefkasten habe, in der steht, dass ich ganz toll bin, bin ich bestimmt trotzdem enttäuscht und setzte alle Hoffnung in den Groundhog Day. Den habe ich zwar dieses Jahr knapp verpasst, aber nächstes Jahr, wird der ganz groß gefeiert.
Donnerstag, 20. Januar 2011
Sonntag, 16. Januar 2011
Berlin in Calgary
Berlin kommt zu Besuch. Ein Gefühl von Heimat macht sich breit im Studentenheim, Appartement Nr. 432. Es findet seine Perfektion in fertigem Salatdressing von Knorr, cremigen Honig von Lidl und der Zeit von letzter Woche. Bei einem Frühstück mit Brötchen kann ich auch endlich wieder sagen:
“Wat? Nee, achso , ja Kaffe, danke, ey!”
Trotz linguistischer Zurückentwicklung, habe ich das Gefühl, mir liegt die Welt zu Füssen.
In meinem Glückstaumel erwarte ich, dass sich auch mein geliebtes Kanada von seiner besten Seite zeigt, mit Lackschuhen und im Sonntagskleid.
Seit Anreise zeigt das Thermometer jedoch min -20 Grad an. Ich bin enttäuscht. Statt auf die Piste zieht es mich und den Weitgereisten in warme Wohnzimmer und vor allem in Innenräume.
Auch am Wochenende wird es nicht besser. Egal, sagen wir uns. Man nimmt was man kriegen kann. Also ab nach Edmonton- eine weitere Ansammlung von Menschen, die irre genug sind bei dieser Kälte ein Leben zu verbringen. Ein riesiges Einkaufszentrum soll es geben und einen Waterpark. Waterpark, das finden wir gut- gerutscht sind wir schon lange nicht mehr. Heutzutage geht man ja eher gepflegt in die Therme.
Unser Ausflug beginnt vielversprechend mit einem Feueralarm am Samstag Morgen um halb 6. Wie die Schafe trotten wir müde erst einmal quer über den Campus zum Sammelpunkt um dann mit anderen Mitbetroffenen dumm aus der Wäsche zu gucken. Nach 20 Minuten trotten wir dann wieder zurück ins Bett. Fehlalarm.
Ein paar Stunden später sitzen wir im Auto. Es ist kalt und die Strassenbedingungen sind beschissen.Ich bin froh, dass ich nicht fahre, denn sonst wären wir
- gar nicht gefahren oder hätten
- 3 Tage gebraucht, da ich niemals schneller als 30 gefahren wäre. Falls doch, wären wir
- gestorben.
Wozu ich einen Führerschein besitze ist mir bis heute nicht klar. Wollte halt dazu gehören-damals.
Richard kutschiert uns jedoch sicher und souverän Richtung Reiseziel. Ich bin begeistert. Trotzt Karte in meiner Hand habe ich nach 5 Minuten den Überblick verloren. Er glotzt 5 Sekunden auf Google Maps und weis stets wo es langgeht. Immerhin kann ich kompetent 7up Flaschen aufdrehen und nach links reichen.
Richard macht sich lustig. Ich fühle mich schlecht. Ich bin doch Ingenieur. Kann jedoch weder Karten lesen noch einparken. Wozu ich dieses Diplom anstrebe, ist mir in diesem Moment nicht bewusst. Am Orientierungssinn und räumlichen Denken, kann es nicht liegen. Ausserdem klingt es nicht sexy, bietet wenig Möglichkeit zum Party-Smalltalk und ist sehr zeitintensiv. Ich gucke grummlig aus dem Fenster. Immerhin verstehe ich Witze von “Big Bang Theory.” Ich versuche nicht nachtragend zu sein und freue mich sehr, als wir ohne Probleme 3 Stunden später das Hostel erreichen und ich mein Nachtlager auf einer super einladenden Plastik-Matratze aufschlage.
Was nun?
Die Shopping Mall in Edmonton bietet Spass für die ganze Familie. Mami kann bummeln, während Papa in der Achterbahn seine Runden dreht. Die Kinder vergnügen sich im Waterpark und am Ende treffen sich alle im Food Court zum King Size Menü vom A&W.
Ein amerikanischer Traum wird war. Allerdings sind die Burger bei A&W wirklich nicht schlecht und der Waterpark ist grosse Klasse. Erst habe ich jedoch vor allen Rutschen Angst. Dann nur noch vor der Hälfte. Am Ende quatsch mich Richard selbst in Rutschen mit Klassifikation “Extrem”. Teilweise bleibt mir die Luft weg und ich verliere so jedes Mal mein Bikini-Oberteil. Jeder, der schon einmal den “Tropical Taifoon” gerutscht ist, weiss wovon ich rede.
Als wir abends beide auf unsere Plastik -Matrazen liegen, fühlt es sich ein bisschen an wie zu Hause.
Auch wenn vor dem Fenster ein Schneesturm tobt, ich zum Abendbrot einen Burger gegessen habe, der aus einer Bulette zwischen 2 Käsesandwichen besteht, und man anstelle von “krass” “awesome” sagt.
Und wenn schon.
Samstag, 8. Januar 2011
Just don't open your eyes yet oder Konstruktion Nr. 1
2011
Immer noch in Kanada. 2010 liegt noch schwer auf meinen Schultern, hält mich manchmal warm und zieht mich manchmal runter.
Draussen tobt ein Schneesturm. Das schlecht isolierte Fenster trägt von Zeit zu Zeit eine eisige Briese in mein Zimmer, die sich kalt und unangenehm um meinem Hals legt. Werde ich krank? Heute Abend gibt es nichts zu tun. Gestern Abend hat man die neuen Austausch-Studenten kennengelernt. Heute Morgen hatte man Kopfschmerzen.
Ich befinde mich in einer Zeitschleife. Vor 4 Monaten saß ich schon einmal abends alleine in meinem Zimmer und habe Serien gesehen. Ich hatte schon einmal Angst vor den langen Tagen und einsamen Abenden. Ich hatte schon einmal niemanden zum Reden. Und ich habe mich schon einmal gefragt ob das hier die richtige Entscheidung war.
Damals war das Wetter allerdings besser.
Es kommt mir vor, als ob das kleine Haus, dass ich mir hier gebaut habe, eingestürzt ist. Ich fange also wieder von vorne an. Das Fundament ist immer am schwierigsten. Ich bin kein guter Architekt. Manche meiner Konstruktionen halten ewig und strotzen einem atomaren Angriff. Andere sind sehr wacklig. Sie waren erst eine Burg, dann ein Schloss und am Ende eine Bushaltestelle. Andere schaffen es nicht über den Keller hinaus, und mittlerweile wächst Gras auf den alten Mauern. Ich bin Müde und mir gehen die kreativen Ideen aus. Ich habe eine Menge Dinge gebaut im letzten Jahr. Was stehen bleibt, wird die Zeit zeigen.
Sim City für Fortgeschrittene.
Zusätzlich zum statischen Grundverständnis und einem Gefühl für Design werden auch kommunikative Fähigkeiten bei dem Bau einer Mehrzweckhalle vorausgesetzt.
Allerdings hat mich der klassische Fragenkatalog in einem Transfer-Student-Gespräch schon letztes Jahr zu Tode genervt.
Where are you from?
What are you studying?
In which year are you in?
Do you want a beer?
Ich beantworte am liebste die letzte Frage, und zwar mit ja. Mit ach und krach habe ich mich im letzten September durch Gespräche gequält, die auf gar keinen Fall wiederholt oder erneut wiedergegeben werden müssen. Aber habe ich eine Wahl?
I am Gerit. Yes, this is a female name.
I am from Berlin. Yes, this is in Germany. No problem, feel free to make jokes about World War two.
And yes, I’ve heard about Hipster Hitler.
Heute war ich mit einem jungfräulichen Austausch-Studenten in der Einkaufsmeile. Eigentlich ein sehr netter Kerl. Allerdings ein bisschen aufgeregt. Die erste Investition: knallrote Kanadahandschuhe. Er hätte auch gerne eine Flagge, sagt er. Ich gucke ihn entgeistert an und mir wird ein bisschen schlecht. Eine Flagge? Würde ich mir ja nie kaufen, liegt aber vielleicht daran dass ich deutsch bin.
Ich beneide ihn für seine Naivität und seine Arglosigkeit. Er ist bestimmt der perfekte Baumeister. Außerdem beneide ich ihn um seine noch leere Baufläche. Ich bin noch unentschlossen wie ich meine neuen Häuser in mein altes schönes Dorf integrieren soll. Am liebsten würde ich auch noch einmal alles neu bauen. Neu entwerfen. Planen. Erkunden.
Es stellt sich mir in den Weg: Die Schwierigkeit des Stetigen.
Alles neu ist immer einfacher.
Das altbekannte Problem. Stets anwesend. Auch im Jahr 2011.
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